Vermehrt ist von Betrug auf digitalen Kanälen zu hören, auch von Beziehungsbetrug. Wer ist gefährdet, auf Tricks hereinzufallen?
Das sind Frauen und Männer, die meist eine grosse Enttäuschung durchgemacht haben und sich sehr einsam und verlassen fühlen. Sie sehnen sich nach Liebe und nach Zuwendung.
Das ist die perfekte Voraussetzung für Betrüger. Wie spielt sich das ab?
Die einsame Person lernt auf einer Plattform jemanden kennen, der oder die sehr interessiert, liebevoll und verständnisvoll ist. Natürlich alles schriftlich. Bestenfalls mit einem Bild oder einer – natürlich gefälschten – Sprachnachricht.
Wie reagiert die betroffene Person?
Sie oder er freut sich natürlich, fühlt sich endlich wieder als wertvoller Mensch, wird immer offener und gibt immer mehr von sich preis. Es entsteht ein tiefes Glücksgefühl und es beginnt ein Beziehungsaufbau.
Aber die beiden haben sich ja noch nie persönlich gesehen?
Das genau ist das Absurde. Die Hoffnung auf eine neue Beziehung und die Angst vor einer weiteren Enttäuschung sind dermassen gross, dass sie oder er die Augen vor der Realität verschliesst. Misstrauen hat keinen Platz mehr.
Und wie geht die Geschichte weiter?
Zuerst hat die fremde Person dauernd keine Zeit für ein Treffen, zum Beispiel wegen wichtiger Geschäftsreisen. Und dann folgen die ersten Geldforderungen. Meist beginnt das mit kleinen Beträgen wegen eines Missgeschicks, bald geht es dann um Tausende oder Zehntausende Franken.
Warum wirft spätestens das nicht Fragen auf?
Das Vorgehen der Täter ist sehr subtil und psychologisch genial. Die einsame Person ist innerlich schon zu weit gegangen. Ein Abbruch täte zu sehr weh. Zudem gibt es ein gutes Gefühl, wenn man als – scheinbare – erste Vertrauensperson um Hilfe gebeten wird. Und dann plötzlich ist es
zu spät, das Geld ist weg und das Vertrauen einmal mehr zerbrochen.
Wie kann man sich wappnen gegen solchen Betrug?
Einerseits, indem man in einer Krise nicht bei unbekannten Menschen Verständnis, Vertrauen und Anerkennung sucht. Andererseits, indem man nie – wirklich nie – unbekannten Menschen, die danach fragen, Geld überweist, und auch dann nicht, wenn man die Person ein- oder zweimal getroffen hat. Zu dem rate ich, nie Geld an andere zu überweisen, ohne sich mit Freunden oder Fachleuten abzusprechen.
Viktor Arheit, Paarberatung im Kanton Zürich,
Beratungsstelle Affoltern am Albis
Dieser Artikel wurde im Anzeiger Bezirk Affoltern unter der Rubrik «RATGEBER BEZIEHUNG» am 04.11.25 veröffentlicht.
