Wisst ihr noch, wie ihr euch kennengelernt habt? Wie war es, einander das erste Mal zu sehen? Wie hat sich das angefühlt? An was erinnert ihr euch noch von dem ersten Treffen?
Wann habt ihr zuletzt über euren Beziehungsanfang gesprochen? Die Zeit vergeht, die rosa Brille verblasst, man wird vertrauter miteinander, ein eingespieltes Team – man kommt im Alltag an. Die erste grosse Verliebtheit nimmt ab, macht vielleicht einer tieferen Liebe Platz. Es schleichen sich möglicherweise Verhaltensweisen ein, die man als störend empfindet oder für beide herausfordernd sind. Zeitweise fühlt man sich vielleicht nicht ganz so verbunden miteinander, nicht so Nahe. Manchmal schiebt sich mit der Zeit das Negative in den Fokus. Und das ist ganz normal!
Gerade dann kann es schön sein, gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen: «wie war das am Anfang?». Mit dem grossen Hormoncocktail und der Freude über das Verliebtsein läuft Vieles automatisch: Wir sind neugierig und interessiert am Erleben, den Wünschen, Hoffnungen und Sorgen des Gegenübers. Stellen Fragen, hören aufmerksam zu, fühlen mit. Wir sind grosszügig den Schwächen der Partnerperson gegenüber, wohlwollend, wenn das Gegenüber etwas anders macht als wir und verzeihen kleine Patzer. Man verbringt bewusst Zeit zusammen, mit Aktivitäten, die man mag und schafft gemeinsame Erinnerungen.
Somit kann diese Anfangszeit unheimlich viele Ressourcen bergen, auf die wir zurückgreifen können. So kann man sich beispielsweise überlegen: wie haben wir damals unsere Zeit verbracht, was hat uns gemeinsam gutgetan, was hat ein Gefühl von Nähe oder Verbundenheit ausgelöst? Wann habe ich mich gesehen oder geliebt gefühlt? Und auch: wie sind wir ins Gespräch gekommen und wie sind wir mit Meinungsverschiedenheiten umgegangen? Was davon können wir in unseren jetzigen Alltag einbauen?
Das Erinnern an den Anfang kann auch gemischte Gefühle auslösen. Möglicherweise war der Beziehungsstart eher schwierig, wobei man schon früh gemeinsam grosse Herausforderungen bestehen musste. Oder vielleicht fühlt sich die Diskrepanz der damaligen Gefühle im Vergleich zu heute erschreckend, gar besorgniserregend an: «wie konnte es so weit kommen?». Das kann belastend sein und zugleich ein möglicher Ausgangspunkt für eine Standortbestimmung sein: wo stehen wir, was wünscht sich jede:r von uns und wie stellen wir uns die gemeinsame Zukunft vor?
Fabienne Feger, Paarberatung im Kanton Zürich, Beratungsstelle Wetzikon
