Kinder sind die Krönung der Liebe zwischen zwei Menschen. Doch ein Neugeborenes stellt die Beziehung auch gewaltig auf den Kopf. Wir haben uns mit Sarah Geter, Paarberaterin bei Paarberatung im Kanton Zürich (PZH), unterhalten und nachgefragt, was frischgebackene Eltern tun können, damit ihre Beziehung auch mit Kleinkind intakt bleibt.

Keine Frage: Kinder setzen einer Beziehung das i-Pünktchen auf. Die Geburt bringt aber auch Veränderungen mit sich und hält einige Herausforderungen bereit. Das weiss auch Sarah Geter, Paarberaterin bei PZH. Sie hilft Paaren, ihre Beziehung zu pflegen oder, sollte sie einmal in Schieflage geraten, sie wieder ins Lot zu bringen. Wenn das erste Kind auf die Welt kommt, sagt Geter, sei das für beide Elternteile eine grosse Umstellung. Egal, wie gut man sich vorbereite, sei schwer abschätzbar, was auf einen zukomme. «Man erhält ein grosses Überraschungspaket und der Lebensmittelpunkt verschiebt sich komplett», erklärt sie, die selbst Mutter einer kleinen Tochter ist. Offenheit und Neugier helfen gemäss Sarah Geter, diesen Übergang zu meistern. «Wenn man aufgeschlossen ist, herauszufinden, was die Geburt eines Kindes mit einem selbst und dem Partner oder der Partnerin macht, ist das eine gute Voraussetzung für den Start ins Familienabenteuer», sagt die Beraterin.

Wenn aus einem Liebes- ein Elternpaar wird
Wie durch kaum ein anderes Lebensereignis werden die Prioritäten durch die Geburt eines Kindes verschoben. Plötzlich ist man nicht mehr nur ein Liebespaar. Auch wenn man ein noch so eingespieltes Team ist, gilt es, das Zusammenleben nochmals neu auszuhandeln und sein persönliches Modell als Familie zu finden. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind dabei nicht irrelevant, doch gemäss Geter nicht mehr als Leitplanken. «Jede Familie hat vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten», sagt sie und es gehe darum, ein Familienmodell zu finden, das für alle Beteiligten aufgehe und in dem sich langfristig niemand unfair behandelt fühle. Häufig gehe es nicht nur um die Arbeitslast, sondern auch um Anerkennung und Wertschätzung, sagt Geter. Habe man aber das Gefühl, konstant mehr zu leisten, sollte man das in der Beziehung ansprechen. So oder so plädiert sie für eine offene Kommunikation – auch in Sachen Sexualität. «Unaus gesprochene Erwartungen aneinander können Druck erzeugen und Druck ist der grösste Liebeskiller», weiss Sarah Geter.

Inseln für Zweisamkeit schaffen
Partnerschaft, Beruf, Kinder und Haushalt unter einen Hut zu bringen, ist mehr als ein Fulltime-Job. Trotzdem oder gerade deshalb ist es bedeutend, sich Zeit für sich selbst und als Paar zu nehmen. Sich Inseln im Alltag zu schaffen, um sich als Paar auszutauschen und wieder näher zu kommen, sei zentral. Es gehe darum, im eng geschnürten Alltagskorsett nach pragmatischen Lösungen zu suchen, um sich als Liebende nicht zu verlieren. «Auch wenn es unsexy klingt: Als Eltern entsteht Zweisamkeit oft nicht mehr automatisch, sondern muss geplant werden», sagt Sarah Geter. Etwas, wofür ihrer Meinung nach immer Zeit sein muss, sind regelmässige Beziehungs-Check-Ins: «Sich einen Augenblick zu nehmen und sich nach dem Wohlbefinden des Gegenübers zu erkundigen, stellt Nähe her und sorgt dafür, dass sich beide gehört und gesehen fühlen – auch dann, wenn gerade alles drunter und drüber läuft.» Momente, in denen man sich bewusst als Paar begegnet und Zeit, in der man sich gemeinsam um die organisatorischen Aspekte des Familienlebens kümmert, sollte man wenn möglich trennen. Knirscht es in der Beziehung trotzdem, ist es nicht verkehrt, Hilfe in Anspruch zu nehmen. «Eine Paarberatung kann ein guter Ort sein, um sich zu begegnen und wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Und oftmals hilft es auch, von jemandem bestätigt zu bekommen, dass die eigene Situation verständlich ist, und es ganz vielen jungen Eltern so geht», weiss Sarah Geter aus Erfahrung.

 

Kurzinterview mit Sarah Geter
Drei Fragen an die Paarberaterin

 

Wie gelingt der Start ins Familienleben?
Stellt euch auf ein Gefühlschaos ein und darauf, dass es Zeit braucht, im Familienalltag anzukommen. Es ist okay, als Eltern nicht ab dem ersten Tag perfekt zu sein. Eltern- sein ist etwas, das man lernt. Gebt euch Zeit, euren eigenen Rhythmus zu finden.

Welchen Beziehungstipp gibst du werdenden Eltern mit auf den Weg?
Seid offen, euch neu kennenzulernen – als Person und als Paar. Anstatt zu glauben, man wisse schon alles über sich und den anderen, lohnt es sich, neugierig zu bleiben, wie die neue Rolle einem selbst und das Gegenüber verändert. Stellt euch gegenseitig die Frage, was das Eltern sein mit euch macht.

Welche Haltung hilft Eltern im Alltag?
Flexibilität ist ein guter Ratgeber. Man sollte sich darauf einstellen, dass mit einem Kind alles in stetem Wandel ist und alles in Phasen kommt. Einmal schläft das Kind, einmal schläft es nicht. Es ist von Vorteil, keine zu rigiden Erwartungen zu haben und situativ nach Lösungen zu suchen.

 

Sarah Geter, Paarberatung im Kanton Zürich, Beratungsstelle Dietikon