Romantasy-Bücher mit expliziten Sexszenen sind bei Teenagern sehr beliebt. Paar- und Sexualtherapeutin Katrin Lukas aus der Beratungsstelle Bülach ordnet ein, was es mit dem Konsum von sogenannter Smut-Literatur auf sich hat.
Wie beurteilen Sie solche erotisch expliziten Texte im Hinblick auf die sexuelle Entwicklung Jugendlicher?
Erotisch explizite Texte sind für junge Erwachsene nicht grundsätzlich entwicklungsgefährdend. Da Jugendliche heute ohnehin ständig mit sexuellen Inhalten in Berührung kommen, ist nicht der Inhalt an sich das Hauptproblem, sondern der Kontext, in dem diese Inhalte verarbeitet werden. Wenn junge Erwachsene gleichzeitig Zugang zu altersgerechter sexualpädagogischer Information haben – etwa zu Themen wie Körperwissen, Konsens, Beziehungen und Lust –, können sie solche Texte meist gut einordnen. Wichtig ist, dass sie gelernt haben, kritisch zu reflektieren, Fragen zu stellen und bei Bedarf Unterstützung zu suchen. Niederschwellige und fachlich fundierte Angebote wie lilli.ch bieten hierfür hilfreiche Orientierung.
Wo liegen mögliche Risiken? Gibt es auch Chancen?
Chancen liegen darin, dass Jugendliche diese Themen miteinander diskutieren und auch kritisch hinterfragen. Die eigene Sexualität und Lust zu entdecken sowie mit Grenzen zu experimentieren, ist eine zentrale Entwicklungsaufgabe in diesem Alter. Diese verläuft individuell. Jugendliche nehmen sich aus solchen Inhalten das heraus, was sie gerade brauchen und woran sie wachsen können – dazu gehören auch Inhalte, die Erwachsene als «gefährlich» einstufen.
Ab welchem Alter halten Sie solche Literatur eher für unproblematisch – und wie sollten Eltern reagieren, wenn ihre Teenager diese Bücher lesen?
Da es sich um Literatur handelt, denke ich, dass vor allem Jugendliche zu solchen Büchern greifen, die sie interessant finden – und wenn sie Interesse zeigen, sind sie meist auch bereit dafür. Sprache regt die Fantasie an, ohne konkrete Bilder zu liefern. Anders verhält es sich bei Bildmaterial und Filmen: Hier besteht eine stärkere Sogwirkung. Zudem erhalten Jugendliche solche Inhalte oft ungefragt auf ihr Handy. Die entscheidende Frage ist, wie diese Inhalte begleitet werden. Sind Eltern dafür die richtigen Ansprechpersonen? Manchmal können Eltern das Thema wohlwollend aufgreifen, doch viele Jugendliche möchten sexuelle Themen nicht mit ihren Eltern besprechen. Eltern können dennoch Interesse zeigen, indem sie ihren Kindern altersentsprechende Informationen über Sexualität zugänglich machen. Da viele Eltern hierbei überfordert sind, braucht es niederschwellige, flächendeckende sexualpädagogische Angebote für alle Altersstufen – auch in digitaler Form, etwa über Apps oder informative Kurzfilme.
Katrin Lukas, Paarberatung im Kanton Zürich, Beratungsstelle Bülach
