Von welchen Grenzen ist die Rede?
Ich möchte von den schützenden Grenzen rund um eine Beziehung sprechen. Es geht um die Fragen, was in einer Beziehung vertraulich bleibt und was nach aussen getragen werden darf. Diese Grenzen werden unterschiedlich wahrgenommen.
Wie kann der Umgang aussehen?
Es gibt verschiedene Familienkulturen. In den einen Familien teilt man alle Informationen und tauscht sich über sämtliche Ereignisse untereinander aus. Man schreibt sich, trifft sich, telefoniert regelmässig. Das andere Extrem wäre die Isolation, wo über Persönliches ein Deckmantel gelegt wird und niemand ausserhalb der Beziehung etwas erfahren darf.
Der Mittelweg wäre wohl das Richtige?
Ja, doch die Empfindungen von den beiden Partnern können sehr unterschiedlich sein. Wenn zum Beispiel sie sich gewohnt ist, mit ihrer Familie oder Freundinnen alles auszutauschen, und er eher in einem verschlossenen Umfeld aufgewachsen ist, stellt das eine Herausforderung für beide dar.
Wie können die beiden das angehen?
Das ist ein Prozess, bei dem es viel Offenheit für die eigenen Empfindungen und Bereitschaft zum Hinhören braucht. Das Paar muss bereit sein, über die Grenzen zu reden und dann die Grenzen des Gegenübers zu respektieren. Es kann auch hilfreich sein, nach einem Konflikt oder einer persönlichen Erfahrung kurz abzusprechen, was davon «unter uns» bleibt und was nach aussen getragen werden kann.
Gibt es klare Grenzverletzungen?
Die Grenzen rund um eine Beziehung sind auch ein Schutz, der Vertrauen vermittelt. Wenn ich weiss, dass ich mich verletzlich zeigen kann und dies «unter uns» bleibt, fördert das die Sicherheit. Daher ist es nicht gut, nach aussen über den Partner/die Partnerin – zum Beispiel über seine/ihre privaten oder beruflichen Probleme – oder über Intimitäten in der Beziehung zu sprechen. Eher unproblematisch ist, um ein Beispiel zu nennen, vielleicht das Erzählen von Ferienerlebnissen.
Aber ein Austausch nach aussen ist grundsätzlich nicht nur schlecht?
Der ist sogar wichtig. Er kann die Beziehung beleben. Das Gespräch mit Menschen ausserhalb der Beziehung kann für das Paar neue Gedankenanstösse bringen.
Aber?
Das Vertrauen darf nicht verletzt werden. Die Grundlage in der Beziehung muss sein: «Ich gehe darauf ein, was du brauchst. Ich nehme dich ernst, du bist mir wichtig.»
Viktor Arheit, Paarberatung im Kanton Zürich,
Beratungsstelle Affoltern am Albis
Dieser Artikel wurde im Anzeiger Bezirk Affoltern unter der Rubrik «RATGEBER BEZIEHUNG» am 12.12.25 veröffentlicht.
