Was Beziehungen in den Ferien guttut

Sommerferien gelten als die schönste Zeit des Jahres – und gleichzeitig als Bewährungsprobe für viele Beziehungen. Mehr gemeinsame Zeit, ungewohnte Nähe, unterschiedliche Erwartungen und der Wunsch nach Erholung können sowohl verbinden als auch herausfordern. Wie gelingt es Paaren, die Ferienzeit bewusst für ihre Beziehung zu nutzen?

Unsere Paarberaterinnen und -berater teilen dazu ihre persönlichen Sommerferientipps. Die Impulse zeigen unterschiedliche Wege auf, wie Paare Nähe, Leichtigkeit und gegenseitiges Verständnis fördern können. Denn gelingende Ferien haben kein Patentrezept: Oft sind es gerade die vielfältigen Perspektiven, die inspirieren und neue Möglichkeiten für das eigene Miteinander eröffnen.

Macht Ferien im Kopf (Sarah Geter, Dietikon)

«Nehmt euch zu Beginn der Ferien bei einem Kaffee oder einem Drink Zeit und erzählt euch gegenseitig, wie euer perfekter Sommertag aussehen würde. Was braucht ihr, um euch zu erholen? Was macht euch Freude? Worauf freut ihr euch besonders? Versucht anschliessend, eure Vorstellungen mit einer Portion Humor zu einem gemeinsamen «perfekten Paartag» zusammenzuführen. Schon dieses Gespräch kann ein schönes Date sein. Gleichzeitig lernt ihr mehr über die Wünsche und Bedürfnisse des anderen und schafft gemeinsame Ferien aus Neugier statt aus Erwartungen.»

Was bedeutet Erholung für dich? (Werner Klumpp, Bülach)

Bevor ihr eure Ferien plant, nehmt euch Zeit für eine einfache, aber wichtige Frage: Was bedeutet Erholung eigentlich für mich? Während sich die eine Person nach Ruhe, Lesen und Nichtstun sehnt, tankt die andere Energie bei Aktivitäten, Abenteuern oder neuen Eindrücken. Erzählt einander, was ihr braucht, um wirklich abzuschalten und neue Kraft zu schöpfen. Wer die Bedürfnisse des Gegenübers kennt, kann Erwartungen besser abstimmen und Enttäuschungen vorbeugen. Neugier aufeinander ist dabei wichtiger als Einigkeit.

Zurück in die Zukunft (David Siegenthaler, Affoltern am Albis)

Tauscht euch darüber aus, wie ihr Ferien in eurer Kindheit erlebt habt. Was hat euch besonders gefallen und warum hat es euch Freude bereitet? Was habt ihr als schwierig oder unangenehm erlebt und wie kam es dazu? Für was standen Ferien (Erholung, neue Eindrücke, Aktivität, Kontinuität)? Wo habt ihr euch besonders wohlgefühlt? Welche Stimmung herrschte dort und mit wem habt ihr die Ferien besonders gerne verbracht? Was von diesen Erfahrungen würdet ihr gerne wieder erleben? Gibt es einen Ort aus eurer Kindheit, den ihr gerne miteinander teilen möchtet?

Die Wunschbox für gemeinsame Erlebnisse (Anne Ehret, Männedorf)

«Besorgt euch zwei Schachteln oder Couverts und schreibt jeweils zehn Wünsche auf kleine Zettel. Was möchtet ihr gemeinsam erleben? Welche Unternehmung schiebt ihr schon lange vor euch her? Das können ganz kleine Momente sein, aber auch grössere Ausflüge oder Abenteuer. Übergebt euch eure Wunschboxen und überrascht euch während der Ferien gegenseitig mit den Ideen des anderen. Wichtig ist, die gemeinsamen Aktivitäten frühzeitig im Kalender einzuplanen. So entstehen Vorfreude, Verbundenheit und neue gemeinsame Erinnerungen.»

Zeit für uns – und Zeit für mich (Inma Vidal, Winterthur)

«Geniesst die gemeinsame Zeit als Familie und schafft gleichzeitig bewusst Raum für eure Paarbeziehung. Oft dreht sich in den Ferien vieles um die Bedürfnisse der Kinder oder die gemeinsame Planung. Umso wichtiger ist es, sich auch als Paar wieder einmal bewusst zu begegnen. Genauso wertvoll kann es sein, wenn jede Person Zeit für sich selbst hat. Wer sowohl Nähe als auch Freiraum zulässt, kehrt oft entspannter und verbundener aus den Ferien zurück.»

Sammelt Erinnerungen statt Souvenirs (Martina Schmid, Zürich)

«Sammelt in diesen Ferien nicht nur Muscheln, Steine oder Fotos, sondern auch besondere Momente. Achtet bewusst darauf, wann ihr euch verbunden fühlt, wann ihr gemeinsam lacht oder wann euch euer Gegenüber besonders fasziniert. Nehmt diese Augenblicke wahr und teilt sie am Ende der Ferien miteinander. Wer schöne Momente bewusst sammelt, verändert oft schon während der Ferien den eigenen Blick. Aus kleinen Begegnungen werden so wertvolle Erinnerungen, die lange nachwirken.»

Sprich aus, was du dir wünschst (Salome Roesch, Wetzikon)

«Versuche nicht zu erraten, was deine Partnerin oder dein Partner möchte, und erwarte auch nicht, dass dein Gegenüber deine Wünsche von selbst erkennt. Nimm dir Zeit wahrzunehmen, was dir in den Ferien wirklich wichtig ist. Teile deine Bedürfnisse und Vorstellungen offen mit. Ehrliche Gespräche schaffen die Grundlage für gute Kompromisse und gemeinsame Entscheidungen. Und manchmal bedeutet das auch, bewusst etwas getrennt zu unternehmen. Danach habt ihr euch oft umso mehr zu erzählen.»

Nicht jeder Ferientag muss perfekt sein (Fabiana Burri, Winterthur)

«Ferien bedeuten nicht nur Harmonie. Wenn wir mehr Zeit miteinander verbringen, werden oft auch alte Spannungen oder wiederkehrende Konflikte sichtbar. Das ist ganz normal. Begegnet solchen Momenten mit einer Prise Humor und seid grosszügig mit euch selbst und eurem Gegenüber. Nicht jede Meinungsverschiedenheit muss sofort gelöst werden. Schafft stattdessen bewusst kleine positive Inseln – Momente oder Aktivitäten, die euch guttun und verbinden. So findet ihr Schritt für Schritt zurück zu mehr Leichtigkeit.»

Ein Beitrag zusammengestellt durch Karin Lehmann, Co-Owner & PR-Expert, WeArePepper GmbH