Was bedeutet es eigentlich, in einer Beziehung etwas zu akzeptieren – und was heisst es, etwas nur zu tolerieren?
Akzeptanz kommt von accipere, dass heisst annehmen, gutheissen. Akzeptanz bedeutet also: Ich nehme dich und bestimmte Aspekte deiner Person bewusst an, auch wenn sie nicht meinen eigenen Vorstellungen entsprechen. Toleranz kommt von tolerare, ertragen, dulden. Toleranz heisst: Ich halte etwas aus, das ich eigentlich nicht gut finde, oft weil ich weiss, dass ich es nicht ändern kann oder weil ich weiss, du willst es nicht ändern.
In Liebesbeziehungen ist es völlig normal, nicht alles am anderen zu mögen, also nicht alles zu akzeptieren und das ein oder andere nicht zu tolerieren. Beides heisst nicht automatisch, dass die Beziehung enden muss, denn die Grenze ist individuell: Für eine Person ist häufiges Ausgehen ein No-Go und bedeutet in der Konsequenz die Trennung und für eine andere Person ist es schwierig, aber kein Grund zu gehen. Paare haben in der Regel, da sie zwei unterschiedliche Personen sind, zu Themen, Eigenschaften, Verhaltensweisen unterschiedliche Positionen und Gewichtungen – wie z. B. Arbeitspensum, Alkohol, sexuelle Wünsche, Freundeskreis oder auch Fremdgehen.
Erdulden klingt passiv – doch in Beziehungen kann es auch bewusst passieren und so kann Unterschiedlichkeit gegenseitig akzeptiert werden: „Ich entscheide mich, das hohe Arbeitspensum meiner Partnerin zu erdulden. Ich finde es nicht gut, aber ich akzeptiere, dass wir hier anders ticken.“ Die Andersartigkeit wird akzeptiert, nicht das Verhalten – Passives Erdulden hingegen führt langfristig zu Vorwürfen, Groll gegen den Anderen und auch Rückzug. Denn hier wird die Andersartigkeit nicht akzeptiert – nur widerwillig ertragen, vielleicht vor Angst den Anderen zu konfrontieren oder weil keine Hoffnung besteht.
Entscheidend ist der Umgang mit diesen Unterschiedlichkeiten. Es gibt Paare die sprechen regelmässig darüber, andere vereinbaren feste Check-ins, es gibt Paare die streiten gelegentlich darüber und wieder andere wissen, dass da ein nicht akzeptierter Teil existiert, aber lassen ihn bewusst ruhen. Zwei Menschen können also eine intime Beziehung haben und trotzdem Aspekte am Anderen nicht akzeptieren oder nicht tolerieren. Wenn sie bewusst entscheiden, dass sie mit diesen Ecken und Kanten leben wollen, entsteht eine Form von gegenseitiger Akzeptanz, die für eine Liebesbeziehung auf Dauer essenziell ist.
Katrin Lukas, Paarberatung im Kanton Zürich, Beratungsstelle Bülach
